Mai 2003 > mehr netzwerken > Motivation
 
Motivation - Was treibt uns an im Job?
Von Birgit Beichter
 

Keine Handlung geschieht ohne Motiv.
Anders gesagt, wir handeln aufgrund innerer und äußerer Anreize. Die Frage nach der Nutzbarkeit dieses einfachen wie ökonomischen Prinzips versucht die Motivationspsychologie zu lösen. Das bekannteste Konzept geht auf Abraham Maslow zurück. Er postuliert eine Hierarchie von Bedürfnissen ähnlich einer Pyramide. Das Fundament bildet die Sicherung des Überlebens, die Spitze der Wunsch nach Selbstverwirklichung [1]. Wer motiviert sein will, sollte seine Bedürfnisse kennen.

Arbeiten um zu leben oder leben um zu arbeiten?
Lange Zeit steuerte die Sicherung des Überlebens die Arbeitsmotivation.
Heute bedeutet Arbeit auch Lebenssinn. Spaß im Job, Selbstverwirklichung und Selbstbestätigung werden immer wichtiger. Das Team als Ersatzfamilie befriedigt soziale Bedürfnisse. Folgen wir Maslow, haben wir bereits die Spitze der Bedürfnispyramide erreicht, den Wunsch nach persönlichem Wachstum.

Sind die alten Motivationskonzepte überholt?
Geld ist nicht alles, heißt es im Volksmund, aber ohne Geld ist alles nichts. Leistungsmotivation durch äußere Anreize, wie mehr Geld oder bessere soziale Leistungen, galten als Mittel der Wahl - mit mäßigem Erfolg. In vielen Unternehmen hatten finanzielle Anreize keinen wesentlichen Einfluss auf die Motivation. Spätestens der Fall des „Motivations-Gurus“ Jürgen Höller zeigt, dass Selbstmotivation durch positives Denken und das Einschwören auf die Ziele des Unternehmens in Massenveranstaltungen keine Erfolgsgarantie ist.

„Alte“ Erkenntnisse neu entdeckt.
In den 60er Jahren erforschte Frederick Herzberg die Quellen der Motivation mit erstaunlichen Ergebnissen. Seine Zwei-Faktoren Theorie besagt, dass Faktoren der Arbeitszufriedenheit sich unterscheiden von Faktoren, die zu Unzufriedenheit im Job führen. Es sind vor allem innere Anreize, wie Erfolg, Anerkennung und Arbeitsinhalte, die uns zu mehr Leistung antreiben. Die Lernpsychologie zeigt: Je mehr einem Menschen zugetraut wird, desto mehr wächst er über sich hinaus.

Motivation muss der Unterschiedlichkeit von Menschen Rechnung tragen.
Die Forschung zeigt, Menschen unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit genauso wie in ihren Arbeitszielen.

Mehr Freiraum für MitarbeiterInnen fordert deshalb R. K. Sprenger in seinem Buch Mythos Motivation [2]. In den Führungsetagen hat sich noch nicht herumgesprochen, dass MitarbeiterInnen Freiraum brauchen, um kreativ zu sein. Mehr Steuerung und Kontrolle durch die Organisation und die Führungskräfte wirkt demotivierend auf die Leistungsbereitschaft.

Individuelle Anreize schaffen. Der Neurobiologe H.G. Häusel rückt das limbische System in den Vordergrund seines Motivationskonzeptes. In seinem Buch „Limbic Success“ [3] beschreibt er das Hirnzentrum als Verarbeitungsinstanz innerer und äußerer Reize und als Steuerungsorgan von Gefühlen. Häusel geht davon aus, dass die Analyse des so genannten limbischen Profils, bestehend aus drei großen Motivsystemen in unterschiedlicher Gewichtung, hilfreich sein kann, MitarbeiterInnen individuell zu motivieren. Eine wesentliche Rolle spielt die passende Ansprache in der Kommunikation mit der Führungskraft und die individuelle Gestaltung der Arbeitsinhalte.

Auszeit als Motivationsschub
Persönliches Wachstum erfordert vor allem Zeit, etwas Neues zu entdecken und Kreativität auszuleben. Dies geschieht nicht nur während der Arbeitszeit.
Immer mehr Unternehmen bieten flexible Arbeitszeitkonten für ihre Mitarbeiter an [4]. Die Verwirklichung privater Ziele, wie Auslandsaufenthalte, mehr Elternzeit oder ein Kurzurlaub, kann einen Motivationsschub für den Beruf auslösen. Voraussetzung dafür ist, dass die Arbeitnehmerinnen selbst über ihre Zeitkonten verfügen können.

Motivation in Krisenzeiten
Unter Druck lassen sich nur kurzfristig Leistungssteigerungen erreichen. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist eher demotivierend. Wie lässt sich in wirtschaftlichen Krisenzeiten trotzdem Engagement im Job aufbauen?
Gerade in der Krise ist Eigenmotivation wichtig. „Wer mit Engagement aus dem Heer der Gebückten heraussticht, eröffnet sich völlig neue Perspektiven – auch und gerade für die Zeit nach der Krise“, schreibt Claudia Wöllner in der Wirtschaftswoche vom 04.03. 2003 [5]. Besonders die inneren Anreize gewinnen an Bedeutung und ein einfaches Prinzip: Wer seine Bedürfnisse und die seiner MitarbeiterInnen kennt, kann sich gezielter motivieren.


Mehr lesen:

Harvard Business Manager
Spezial Motivation

Quellen des Artikels:
[1] Abraham K. Maslow: Motivation und Persönlichkeit, Rowohlt Taschenbuch Verlag,

[2] K.R. Sprenger: Mythos Motivation, Campus Verlag, 17. Auflage 2002.

[3] H.G. Häusel: Limbic Success! - die unbewussten Regeln des Erfolgs..., Haufe-Verlag, 2003.

[4] Die Zeit 16/2003

[5] WiWo-Online 04.03.2003
Autorin
Birgit Beichter
Kontakt: birgit.beichter@ mediella.de