Oktober 2002 > mehr können > Ausbildung
 
Frauen in IT- und Multimedia-Ausbildung
Von Regina Kogler
 

Wissen Sie, wie sich junge Frauen dieses Jahr bei der Wahl ihres Ausbildungsplatzes entschieden haben?
Über die Hälfte (53%) der Frauen konzentriert sich auf folgende Top 10, alles klassische Berufe: Bürokauffrau, Kauffrau im Einzelhandel, Friseurin, Arzthelferin, Zahnarzthelferin, Industriekauffrau, Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk, Bankkauffrau, Hotelfachfrau, Verkäuferin.

Das Spektrum der Berufs(wahl)möglichkeiten ist sehr breit, die beruflichen Perspektiven vielfältig.
Allein in der dualen Berufsausbildung gibt es weit über 300 Berufe. Seit 1996 werden für die IT- und Multimediabranche neue Ausbildungsberufe geschaffen. Zum Beispiel:

IT-Berufe
  • Informatikkauffrau / Informatikkaufmann
  • Informations- und Telekommunikations-System-Elektroniker-/in
  • Informations- und Telekommunikations-System- Kauffrau / Kaufmann
  • Fachinformatiker-/in

Medienberufe

  • Film- und Videoeditor-/in
  • Mediengestalter/-in Bild und Ton
  • Fachangestellte/-r für Medien- und Informationsdienste
  • Kauffrau / Kaufmann für audiovisuelle Medien
  • Mediengestalter/-in für Digital und Print
  • Fachkraft für Veranstaltungstechnik


Diese neuen Berufe kommen gut an. Die Anzahl der Azubis steigt hier kontinuierlich. Der Fachinformatiker, als Beispiel, ist bei den männlichen Auszubildenden bereits seit 2000 unter den TOP 10 zu finden.

Bei den Neuen Medienberufen sind Frauen meist gleich, beziehungsweise sogar häufiger vertreten. Deutlich unterrepräsentiert sind Frauen jedoch weiterhin im IT-Bereich: Unter den etwa 37.000 Auszubildenden in IT-Berufen finden sich nur rund 5300 Frauen (circa 14%). Die Größenordnung bei den Studiengängen ist ähnlich. Der Frauenanteil beim Diplom-Studiengang Fachinformatik in München beträgt beispielsweise rund 16 Prozent.
Trotz Kampagnen und Förderprojekte der letzten Jahre stagniert die Entwicklung.
Die staatliche Zielmarke, 40 Prozent Frauenanteils an IT-Ausbildungs- und Studiengängen bis 2005 (ivb Nr. 38/01), ist hier wohl etwas zu optimistisch angesetzt worden.

Warum konzentrieren sich Mädchen und junge Frauen in erster Linie auf die traditionellen, nicht-technischen und eher "frauentypischen" Berufe?
Die Gründe für den geringen Frauenanteil in Technik und Naturwissenschaft sind vielschichtig. Eine allgemeine "Technik-Distanz" als Ursache zu nennen, wäre falsch. Auch Mädchen schicken SMS und surfen im Internet.

Es hat sich gezeigt, dass Mädchen bei ihrer Berufswahl sehr oft einfach nicht wissen, welche Möglichkeiten für sie offen stehen. Außerdem erfordert der Beginn in einer vermeintlich männerdominierten Berufsumgebung auch einen gewissen Mut. Weibliche Fachkräfte und insbesondere Frauen als Ausbilderinnen haben hier eine wichtige Vorbildfunktion.

Es gibt mittlerweile viele Initiativen und Projekte - auch in München.
Die Qualifizierung von Ausbilderinnen ist ein Ansatzpunkt.
Ein Modellprojekt speziell für IT-Fachfrauen wurde zum Beispiel in diesem Jahr in München initiiert: Netzknotenpunkt München.

Frauen müssen sich mit den neuen Berufsbildern identifizieren können.
Dies kann nicht erst kurz vor der Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz passieren. Verschiedene Projekte setzen genau hier an.
In Mädchen-Projektwochen und Schnupperpraktika erleben Schülerinnen, dass die Beschäftigung mit Naturwissenschaft, Mathematik, Informatik und Technik spielerisch möglich ist und Spaß macht. Ein Interesse an diesen Themen soll angeregt und langfristig verankert werden. Gleichzeitig steigt das Selbstvertrauen, mit naturwissenschaftlich-technischen Sachverhalten umgehen zu können. Eigene Fähigkeiten in diesen Bereichen werden entdeckt.

Die Agentur "Mädchen in Wissenschaft und Technik" an der TU München spricht Mädchen bereits im Alter von zehn bis vierzehn Jahren an. Auch in diesem Jahr wurde in den Sommer- und Herbstferien ein Programm "Mädchen machen Technik" mit verschiedenen drei- bis fünftägigen Projekten angeboten. Viele Münchner Hochschulen und Forschungseinrichtungen beteiligen sich daran.

Die private Wirtschaft beteiligt sich (idealerweise) an solchen Projekten. Siemens AG veranstaltet eigene Technik-Abenteuer-Camps für Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren, um eigenen Fachkräfte-Nachwuchs gewinnen zu können. Ähnliche Camps werden mittlerweile von verschiedenen Münchener Unternehmen angeboten.

Eine Beteiligung der Betriebe ist besonders beim Girls' Day gefragt, der seit 2001 angeboten wird, mittlerweile bundesweit und branchenübergreifend:
Schülerinnen der Klassen 5 bis 10 können die Arbeitplätze (nicht nur) ihrer Eltern in Betrieben und Verwaltungen kennen lernen. Das Spektrum der Aktionen reicht von Betriebsführungen, Vorträgen bis hin zu spielerischen Übungen. Frauen informieren über Arbeits- und Ausbildungsplätze, über Berufschancen, Karrierewege und Verdienstmöglichkeiten. Der nächste Girls´ Day steht schon fest: 08. Mai 2003.

Machen Sie mit!
Sie sehen, Möglichkeiten gibt es in München viele, aktiv zu werden und junge Mädchen für Ihre Arbeit und die Entwicklungsmöglichkeiten in den Neuen Medien und im IT-Bereich zu begeistern.

Quellen
»   Berufsbildungsbericht 2002
Hrsg.: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), jährlich
Inhalt: Schwerpunkte der Berufsbildungspolitik der Bundesregierung, Entwicklung der Ausbildungsstellensituation in Deutschland, Trends/Ausblicke auf politische Initiativen und neue Projekte.
 
» ibv Nr. 38/01 19.09.2001
Die Frauen in der Informationsgesellschaft
Hrsg: Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg
ISSN: 0723/8525
Autorin
Regina Kogler
Kontakt: Regina.Kogler@
mediella.de